Bali

Bei unserer Reiseplanung durfte Bali nicht fehlen denn es war für uns beide eins der Highlights, die wir nicht verpassen wollten. Relaxen an wunderschönen Stränden, die Ruhe in Reisfeldern und unter Kokospalmen genießen und Urlaub vom Urlaub machen. In Wahrheit entpuppte sich Bali aber als eine extrem überfüllte Insel, die dem Massentourismus verfallen ist. Bereits bei der Ankunft am Flughafen bekommt man einen ersten Eindruck wie sehr die Menschen hier auf Touristen eingestellt sind. Obwohl wir schon einige Zeit in Südostasien unterwegs waren und viele aufdringliche Verkäufer oder Taxifahrer kennen lernen durften, übertrafen sich die Fahrer am Flughafen in Denpasar noch einmal. So aufdringliche Menschen habe ich noch nicht erlebt, man muss vor den Taxifahrern in nahegelegene Supermärkte flüchten damit sie von dir ablassen. Die Stadt beginnt direkt am Flughafen aber den Schleichweg runter vom Gelände des Airports zu finden ist in der Dunkelheit und mit dem Druck der Taxifahrer gar nicht so leicht. Ich empfehle raus aus dem Flughafen und in die nächste belebte Straße der Stadt zu gehen und dort ein Taxi zu rufen. Der Preis ist um die Hälfte günstiger als am Flughafen. Alternativ kann auf ganz Bali Uber benutzt werden. Eine super Möglichkeit eine Idee von Taxipreisen zu bekommen, darüber hinaus ist Uber günstiger als ein normales Taxi.

Unseren Aufenthalt auf Bali begannen wir in einer wunderbaren Anlage mitten in den Reisfeldern von Canggu. Die offenen Hütten sind komplett aus Bambus gehalten und morgens steht man mit dem Blick auf das saftige Grün der Reispflanzen auf. Canggu selbst ist der Ort der Surfer und Yogabegeisterten. Nachdem sich Kuta zum Ballermann der Australier entwickelt hat, verlagerte sich das Backpackerzentrum nach Canggu. Es ist aber keine richtige Backpackercommunity mehr sondern vielmehr ein Schaulaufen von topgestylten Leuten in Markenklamotten. An jeder Ecke findet man die bekannten Surfshops oder Restaurants mit Burgern, Pizza und Pasta. Der Strand ist sehr weitläufig und bietet gute Wellen für Anfänger und Fortgeschrittene. Hier in Canggu hat sich aber noch eine weitere Szene herausgebildet. Digital Nomads treffen sich in Co-Working-Spaces um ihren Lifestyle mit der Arbeit am Laptop finanzieren zu können. In den letzten Jahren hat sich diese Art der Arbeit und des Reisens mehr und mehr bei jungen Leuten etabliert. Von Canggu lassen sich jedenfalls ein paar lohnenswerte Ausflüge im Süden der Insel unternehmen. Dazu mietet man sich am Besten einen Roller für 2-3€ am Tag. Der Verkehr auf Bali ist extrem. Die Straßen sind völlig überlastet aber wenn man umsichtig und nicht zu schnell fährt, ist es kein Problem. Westlich der Küste entlang liegt der Meerestempel Tannah Lot. Ein hinduistischer Tempel der bei Flut auf einem kleinen Felsen vor der Steilküste thront. Bei Ebbe kann man auf den Felsen klettern. Auf der Südhalbinsel gibt es ebenfalls einige interessante Orte zu entdecken. Da wäre z.B. der Dreamland Beach, die sich im Bau befindende Vishnu Statue und allen vorran der Uluwatu Tempel mit einer beeindruckenden Kulisse. Denpasar und Kuta kann man ohne weiteres auf dem Weg überspringen, außer man ist auf der Suche nach Pubs und Bars sowie Party am Abend. Sanur weiter östlich gelegen ist da familienfreundlicher. Der Strand ist ruhiger und gut zum Schwimmen geeignet. Der Ort hat eine gute Infrastruktur und Appartments sowie Hotels gibts zu genüge.

 

Unser Weg führte uns aber zunächst weiter nördlich nach Ubud. Dem spirituellen Zentrum der Insel. Die Fahrt dorthin führt durch bebautes Gebiet. Viele Reisfelder mussten neuen Hotelbauten oder Shopps weichen. Die Insel wird zunehmend besiedelt, die Straßen sind voll mit Autos und Mopeds, es geht kaum schneller als 50kmH vorran. Es ist erschreckend wie sehr der Tourismus hier das Bild prägt. In Ubud ist es nicht anders. Guesthouses und Homestays soweit das Auge reicht, eine reichliche Auswahl an Warungs, oft ausschließlich mit vegetarischen und veganen Gerichten.  Yogazentren und Kunstateliers neben Bars und Cafés. Es ist ganz schön lebendig und geschäftig in diesem kleinen Ort. Der interessante Kern mit den vielen, teils versteckten Tempeln kann ohne weiteres zu Fuß erkundet werden. Südlich gelegen gibt es den MonkeyForest. Dort leben mehr als 500 Affen in einem kleinen Waldpark. Sie werden dort mit Essen und Medizin versorgt und die Besucher können sie mit Bananen füttern und die Affen auf ihren Schultern und Köpfen herumklettern lassen. Man muss aber extrem vorsichtig mit seinen Sachen sein, denn die Affen sind sehr intelligent und fix unterwegs. Da kann die Handtasche der Frau schonmal vom Affen in den Wald verschleppt werden.

Die beiden absoluten Highlights für uns in Ubud waren aber zum Einen die Tegalalang Reisterassen und zum Anderen die Legong/Barong Tänze. Die Tegalalang Reisterassen liegen etwa 10km außerhalb und bieten dem Auge ein unfassbares Bild an terassenförmigen Reisplantagen. Zwar sind hier auch sehr viele Touristen unterwegs aber wenn man sich die Zeit für einen ausführlichen Spaziergang zu den hinteren Ecken der Terassen macht, so kann man noch auf die alteingesessenen Reisbauern treffen und bei einer Kokosnuss und Flötemspiel das grüne Panorama fast für sich allein genießen. Das ausgeklügelte Terassen -und Bewässerungssystem hat bis heute Bestand und sorgt nicht nur hier, sondern an vielen Orten auf der Insel Bali für das Hauptnahrungsmittel der Balinesen. Es ist ein wunderschöner Ort, an dem man die Zeit vergessen kann und nur die Schönheit der Natur genießt.

DIe Legong und Barong Tänze können jeden Abend in Ubud besucht werden. Es gibt mehr als 50 Tanzgruppen und  die Tänze besitzen eine lange Geschichte. Sie dienen in erster Linie zur Unterhaltung und erzählen in den meisten Fällen von einer Prinzessin die gefangen genommen wird und gerettet werden muss. Merkmal dieser Tänze sind die musikalische Untermalung einer Gruppe Männer die Laute und Sprechgesänge von sich geben. Die aufwendigen Kostüme der Tänzerinnen sind ein wahres Kunstwerk. Der Tanz selbst wird beherrscht von Körperspannung und langsamen, rhythmischen Bewegungen aber auch schauspielerischen Elementen. Es ist in jedem Falle mehr als einen Besuch wert. Man taucht ein in eine andere Welt, bekommt eine einmalige Aufführung einer anderen Kultur zu sehen und wird dabei bestens unterhalten.

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Fährt man von Ubud mit einem Roller nördlich ins Landesinnere so trifft man schnell auf unberührte Reisfelder und weite Landschaften. Hier ist das urbane Leben noch nicht so dominant und das Leben ursprünglicher. Kinder lassen ihre selbstgebastelten Drachen auf den Feldern steigen und Frauen laufen teilweise oben ohne und nur mit einem Sarong um die Hüfte gewickelt durch die Straßen. Es ist so einfach auf Bali dem einen Extrem zu entkommen und dem anderen Extrem zu begegnen.  Entwickelt sich der Tourismus aber unkontrolliert weiter, so befürchten wir, müssen auch vermehrt die Menschen im Landesinneren der Branche weichen. So führte uns der Weg zu den beiden Vulkanen der Insel. Zunächst zum Vulkan Agung, dem Größeren der beiden, genauer gesagt zum Pura Besakih oder auch Muttertempel genannt. Er ist der wichtigste Tempel der Insel und mit über 200 Gebäuden erstreckt er sich am Hang des Hügels. Bei gutem Wetter hat man freie Sicht auf den Vulkan. Der Weg führt weiter Richtung Norden zum Pura Ulun Danu Batur Tempel. Von hier hat man ein herrliches Panorama auf den kleineren der beiden Vulkane Batur. Auf der Strecke zurück nach Ubud liegt ein weiterer interessanter Tempel. Der Tirta Empul Tempel. Dieser beherbergt einen Badebereich mit heiligem Quellwasser zur rituellen Reinigung. Er wird von vielen Einheimischen besucht. In der Regel waschen sie sich nackt in dem Wasser aber durch den Tourismus und der Vermarktung dieses Tempels finden sich immer mehr Touristen in dem heiligen Quellwasser, die in Sarongs gewickelt den Brauch nachstellen. Für uns kam dies aber nicht in Frage, es ist und bleibt ein heiliger Ort für die Hinduisten und so verfolgt man den Brauch aus der Entfernung.

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Insgesamt hat Bali selbstverständlich mehr zu bieten als das Beschriebene. Die Insel ist aber so groß, dass man gar nicht alles an einem Aufenthalt sehen kann. Es ist lediglich ein kleiner Einblick in die Vielseitigkeit der Insel. Doch leider haben wir auch ein Bali kennen gelernt, dass vom Tourismus überrannt wurde. Strände und Wasser voll mit Plastikmüll, Abwasser, das ungefiltert ins Meer geleitet wird, Reisfelder die Hotels weichen müssen und ein Verkehr, der für die Insel mehr als zu viel geworden ist. Die einstige Schönheit, die Bali ausgestrahlt hat, fängt an zu bröckeln. Es wird sich zu wenig um die Erhaltung der Natur gekümmert, zu viele Projekte genehmigt und zu viele Menschen auf die Insel gelassen. Es muss ganz dringend in der Zukunft etwas passieren, dass dieses kleine Fleckchen seine Kultur, Natur und Vielseitigkeit beibehalten kann.

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