Iran

Nach gut 2 Monaten in Südostasien und Indonesien tauchte ich in eine andere Welt ein. Statt freizügig gekleideten Touristen an Strand und Meer erwarteten mich nun in der langsam aufstrebenden und ständig moderner werdenden Stadt Tehran Frauen mit Kopftuchpflicht und Männer in langen Hosen und geschlossenen Hemden. Das Klima spielt auch einen Streich mit mir. Von 35 Grad und extrem hoher Luftfeuchtigkeit zu 12 Grad und Regen. Ich habe eine kleine Kältewelle in Tehran erwischt und brauche direkt meine Regenjacke. Der Iran heißt mich auf seine ganz eigene Art und Weise willkommen.

Hier ist alles etwas anders als in so vielen Reiseländern. Angefangen beim Visum on Arrival am Flughafen merkt man schon, dass hier sehr strenge Regeln herrschen. Man muss eine gültige Krankenversicherung vorlegen, die Dokumente werden genaustens geprüft und mit 75€ für ein 30tägiges Visum ist es auch das Teuerste meiner gesamten Reise. Ich hatte Glück und kam nachts am Flughafen an, es herrschte kaum Betrieb und so durfte ich nach 2 Stunden mit meinem Visum in das Land einreisen, tagsüber dauert das Ganze wohl noch länger. Wer nicht spontan in den Iran reist, sollte sich vorab um das Visum kümmern. Das geht dann wesentlich schneller.

Die zweite Hürde, die man schon vor der Einreise in den Iran nehmen muss, ist die des Bargeldes. Internationale Kreditkarten funktionieren nur in den seltensten Fällen und dann auch nur zum Bezahlen von Hotels. Bargeldabhebungen sind nicht möglich, da die Banken nicht an das internationale Währungssystem angeschlossen sind. Das bedeutet für eine Reise in den Iran, dass vorab gut kalkuliert werden muss wie viel Geld man braucht, sowie einen Puffer aufaddiert und die Summe in Bar mit ins Land einführt. Im Land kann der Euro oder USDollar dann in den iranischen Rial umgetauscht werden. Zu meiner Zeit im April/Mai 2018 schwankte der Kurs täglich und der Rial war zu dieser Zeit extrem schwach. An einem Tag bekam man für 1 USDollar 50.000Rial, am nächsten 55.000. Für 1 € waren es zwischen 60.000 und 65.000Rial. Durch die starken Kursschwankungen haben die großen nationalen Banken das Umtauschen von Geld kurzfristig für Wechselstuben verboten. Es war für Einheimische und Touristen offiziell nur möglich zu einem verhältnismäßig schlechten Kurs bei Banken zu wechseln. Inoffiziell hingegen konnte ich auch in meinem ersten Hostel in Tehran zu einem anständigen Kurs mein Geld umtauschen oder aber auch auf dem Schwarzmarkt auf der Straße. Dieser ist sehr groß und beliebt bei den Iranern geworden. So wird ganz schnell unter der Hand auf der Straße das Geld zu einem besseren Kurs getauscht.

Sobald man also (vielleicht abenteuerlich) an seinen iranischen Rial gekommen ist, stößt man schon auf den nächsten ungewohnten kulturellen Brauch. Die Iraner selbst benutzen für das Verhandeln und Abschließen alltäglicher Geschäfte eine selbstgeschaffene Währung, den Toman. 5.000Toman entsprechen 50.000Rial. Im Grunde genommen sehr einfach, denn es wird nur eine 0 weggelassen um die Summen kleiner zu halten und für weniger Verwirrung in den großen Zahlen zu sorgen. Daran muss man sich als Tourist aber erstmal gewöhnen, sonst tappt man schnell in die Falle mehr bezahlen zu müssen als man zuerst angenommen hatte. Das mit dem Geld ist also so seine ganz eigene Geschichte im Iran. Es hört sich zunächst alles kompliziert und umständlich an: Ist es natürlich auch zu Beginn aber man gewöhnt sich nach 1 bis 2 Tagen daran und fängt sogar an es etwas zu genießen.

Ein weiterer Brauch, den man kennen sollte, auch wenn er nicht ganz so oft mit Touristen praktiziert wird, ist der sogenannte Taroof. Eine recht charmant erscheinende Interaktionsform bei der die eine Person der anderen etwas anbietet. Beispielsweise ein Stück Kuchen. Das Stück muss beim ersten und zweiten Mal abgelehnt werden. Wird das Stück aber ein drittes Mal angeboten, so kann man es ohne Bedenken annehmen. Diese Geste von beiden Seiten gilt als Respekt -und Höflichkeitsform. Es kann aber vorkommen, wenn auch selten, dass die Iraner dieses Ritual nutzen um den Touristen Geld aus der Tasche zu ziehen. Wenn man aber stets freundlich und mit einem Lächeln bestimmend verneint, dann nehmen sie auch ihre Ware zurück.

Hat man nun die wichtigsten Verhaltensregeln im Kopf, kann man sich ohne Bedenken frei durch den Iran bewegen ohne das Gefühl zu haben man macht etwas falsch oder respektiert nicht die Kultur oder Religion. Wichtig ist, die Authentizität zu wahren, offen und freundlich mit den Menschen zu interagieren und ohne Vorurteile auf sie zuzugehen. Aber das sollte bei jeder Reise in ein fremdes Land gleich sein. Man wird schnell auf den Straßen die Gastfreundschaft und das große Interesse der Iraner an der eigenen Person merken. Es kommt nicht selten vor, dass man mal eine leckere Speise oder einen Tee angeboten bekommt. Wenn es regnet, so habe ich es erlebt, wird dir kurzerhand ein Regenschirm im nächsten Laden gekauft damit du bloß nicht nass wirst. Auch wenn die Iraner in der Regel kein Englisch in der Schule lernen, und nur die allerwenigsten dieser Sprache mächtig sind, haben sie keine Hemmungen mit dir in Interaktion zu treten. Sie fangen einfach an auf Farsi zu reden, mit Händen und Füßen zu gestikulieren und haben dabei immer ein Lächeln auf den Lippen. Es hilft, das Spiel mitzumachen. Zu Lächeln, Verständnis für das Gesagte zu zeigen und ebenfalls zu versuchen, auf welcher Sprache auch immer, sich der Person mitzuteilen. Es geht in erster Linie um die Interaktion und nicht den Inhalt. Meistens sind die Iraner einfach glücklich einen Touristen zu sehen und stolz auf ihr Land und dessen Schätze. Da kann der Fischhändler dir schon mal schnell den 20Kg schweren Fisch in die Hand drücken oder in einem Lebensmittelladen die Oliven, der Fetakäse und Joghurt zum Abendessen angeboten werden. Alle haben aber Eines gemeinsam und das ist der Hang zum Selfies machen. Sie lieben es sich mit dir abzulichten. Sind stolz auf das Foto und präsentieren es wahrscheinlich am Abend der Familie. Egal ob Taxifahrer, Straßenhändler, Eisverkäufer oder Spaziergänger. Das alles kann manchmal ganz schön ermüdend sein wenn man tagtäglich auf der Straße angesprochen und abgelichtet wird. Aber es geschieht stets mit einer gewissen Höflichkeit und einem solchen Respekt, dass man den Menschen nicht böse sein kann sondern vielmehr anfängt diese Neugierde zu bewundern.

Es sind schon in Tehran, zu Beginn meiner Reise die Begegnungen mit den Menschen statt die touristischen Sehenswürdigkeiten die mich so ihn den Bann ziehen. Natürlich hat Tehran auch nicht ganz so viel zu bieten und erst recht bei so einem Regenwetter erscheint eine iranische Hauptstadt nicht wirklich in seiner schönsten Form. Dennoch gibt es mit den prunkvollen Palästen der alten Schahs wie dem Golestan, Niavaran oder Saad Abad Complex einige interessante geschichtliche Einblicke. Ebenfalls die Imam Khoemini Moschee ist einen Besuch wert. Der Bazar hingegen ist zwar lebhaft aber viel mehr als Kleidung hat er nicht zu bieten. Er ist nicht mit Souks in Jordanien oder Marokko zu vergleichen wo viel Handwerk und Kunst angeboten wird. Der Azadi Square mit dem Freiheitsturm ist das moderne Wahrzeichen Tehrans und ebenfalls ein leicht zu erreichendes Ausflugsziel mit der Metro.

Von Tehran erreichte ich mit dem Bus mein erstes Ziel auf dem Weg Richtung Süden. Die alte Stadt Kashan ist für einen 2 Tagesstopp sehr zu empfehlen. Mit ihren althistorischen Häusern und Bädern der Kadscharen Dynastie besitzt das Städtchen einen ganz eigenen Charme. Das Leben hier ist einfacher. Die Menschen leben in Lehmbauten, die Zeit scheint trotz des geschäftigen Lebens stehen geblieben zu sein. Das wirkt sich auch noch einmal mehr auf die Freundlichkeit und Gastfreundschaft der Menschen aus. Sie nehmen sich viel Zeit für ein Gespräch und helfen dir im Alltag wo es nur geht. Das Tabatabaei und Borujerdi Haus sind zwei der schönsten Häuser in der Stadt, ebenfalls lohnt ein Blick in das Badehaus Amir Ahmad und dem dortigen Rooftop. Weitere Sehenswürdigkeiten sind die Aqa Bozorg Moschee, der Fin Garden und der außerhalb der Stadt liegende Aran va Bidgol Schrein. An einem Abend in Kashan bot sich mir die Gelegenheit mein Fitnesslevel in einem traditionellen Zoorkhane (Art Fitnessstudio) die Kraftpsortart Varzesch-e-bastani unter Beweis zu stellen. Die Übungen bestehen aus einer Mischung von Kniebeugen, Liegestützen und Dehnübungen gepaart mit Instrumenten wie Holzkeulen, Ketten und Holzlatten. Sie werden in einem Raum praktiziert in dessen Zentrum eine ein Meter tiefe achteckige Grube mit Holzboden befindet. Ein Morsched sitzt auf einem Sardam (etwas höher gelegenes Podest) und begleitet die Sportler mit religiösem Gesang, Bechertrommel und Glocke. Es ist ausschließlich Männern erlaubt den Raum zu betreten. Manche kommen aber auch nur zum Zuschauen. Es ist eine Mischung von Sport und dem Ausleben der Religion. In jedem Falle ist es unglaublich anstrengend und eine tolle Erfahrung.

Nach Kashan ging es dann mit dem Nachtbus nach Esfahan. einer modernen Millionenmetropole im Zentrum des Landes. Vor allem berühmt durch seine in der Safawiden Zeit gebaute Si-o-Se Pol Brücke mit ihren 33 Bögen. In Esfahan erlebt man eine moderne Gesellschaft. Hier sieht man nicht nur Marken aus aller Welt sondern auch exklusive Hotels. In Tehran war das eher nicht der Fall. Das Leben ist schnelllebig, das Stadtbild wird neben modernisierten Bauten ebenfalls von tollen Parkanlagen und historischen Bauten bestimmt. Frauen tragen ihre Kopftücher locker. Man sieht dunkle, blonde, manchmal auch rote Haare durchblitzen. Wie überall ist auch hier viel Make-Up im Spiel und gekleidet wird sich mehr westlich. Hier in Esfahan findet man auch den größten Platz der Welt, den Imam Platz. Es ist das pulsierende Zentrum der Stadt. Man sieht picknickende Familien ebenso wie Jugendliche die auf BMX Rädern an ihren Tricks feilen. Neben zwei großen Moscheen gibt es auch einen durchaus lohnenswerten Bazar mit interessantem Handwerk. In den Teehäusern kann man sich ausruhen oder eine Kutschfahrt über den Platz buchen. Von der Terasse des Ali-Qapu-Palastes hat man einen tollen Blick auf den Platz. Die Imam Moschee ist genauso wie der Hascht Behescht und Chehel Sotun Palast einen Besuch wert.

In Esfahan kann man auch auf den Spuren der Armenier wandeln und die Vank-Kathedrale südlich des Flusses Zayandeh Rud besichtigen. Dazu gehört ein kleines aber lohnenswertes Museum zur geschichtlichen Entwicklung der Armenier bis hin zum Genozid durch das osmanische Reich. Am Sonntag lohnt sich ein Besuch des Soffeh Parks. Dort trifft sich gefühlt die halbe Stadt um zu Picknicken und vor allem eines zu tun, Volleyball spielen. Der ganze Park wird gesäumt von Kleingruppen die sich die Bälle hin und her schmettern. Nicht selten fliegt dann auch mal einer an die Köpfe oder mitten in das Picknick hinein. Zum Sonnenuntergang empfiehlt sich der anstrengende Aufstieg zum angrenzenden Sofe Berg. Es ist nicht einfach und nimmt etwa eine Stunde Zeit aber der Ausblick über die Stadt ist einzigartig. Wer faul ist oder nicht mehr ganz so fit, kann auch mit einer Seilbahn hochfahren. Es gibt ein Restaurant, sowie Zipline und Hängebrücke zur Unterhaltung.

Nach Esfahan ging es weiter südlich zur Wüstenstadt Yazd. Ähnlich wie Kashan sind hier die meisten Bauten aus Lehm. Markantes Merkmal der Stadt sind aber die vielen historischen Windtürme, die früher als eine Art Klimaanlage fungierten. Es geht hier sehr schläfrig zu, die engen Gassen sind sehr ruhig auch wenn sich nicht wenige Touristen in die Oasenstadt verirren. In diesem Ort kann man sich Treiben lassen. Neue Wege entdecken, auf einer Dachterasse bei einem Tee das Panorama der „Windturmskyline“ genießen oder sich in einem der vielen Museen über die historische Stadt Yazd weiterbilden. Insbesondere das Wassersystem war bis ins Detail ausgeklügelt. In jedem Falle lohnt ein Besuch der Jameh Moschee, dem Bazaar und des Dowlat Abad Garten. Dieser beherbergt den höchsten Windturm der Stadt und ist ein wunderschöner Garten mitten in der Wüste. Des weiteren kann man hier einiges über den Zoroastrismus kennenlernen und durch alte Bauten wie den Tower of Silence wandeln. Yazd bietet dem Besucher ein traditionelles Bild, manchmal verwunschen und mystisch. Es ist, wie auch in Kashan, ein einfaches Leben in traditionellen Lehmbauten. Von hier kann man weiterhin einen Tagesausflug ins nahe gelegene Karanaq machen. Eine weitere alte Wüstenstadt mit Lehmbauten aber zerfallener und kleiner. Es ist ein besonderes Gefühl durch den Ort zu spazieren. Die Häuser sind zwar größtenteils nicht mehr bewohnt aber strahlen etwas Einzigartiges aus. Die zoroastrische Pilgerstätte Chak-Chak wird in einer Tour angefahren. Es ist eine kleine Höhle in der Wasser von der Decke auf den Boden tropft (daher Chak-Chak, die ganze Geschichte zu schreiben spar ich mir). Meybod, weiter nördlich gelegen beherbergt einige Lehmziegelfestungen die jedoch von außen imposanter sind als von innen.

Von Yazd führte mich der Weg weiter nach Shiraz. Meinem persönlichen Highlight auf dem Festland. Bekannt ist Shiraz wegen seiner vielen bunten Gärten. Da es nicht in der Wüste liegt, sondern das Klima etwas feuchter und regenreicher ist, wachsen und gedeihen hier die Pflanzen besser. Die Stadt ist grün und rausgeputzt. Der Tourismus ist hier angekommen. Die Karim Khan Festung ist beliebter Treffpunkt von jung und alt um bei einem Saffraneis über den Tag zu sprechen oder einen kurzen Spaziergang einzulegen. Von dort aus lassen sich viele der interessanten Sehenswürdigkeiten zu Fuß erreichen. So z.B. der Vakil Bazar mit seiner wunderschönen Vakil-Moschee. Der Bazar ist mit der Schönste im Iran und bietet dem Besucher allerlei Handwerk oder hübsche Ecken um bei einem Tee das Treiben zu beobachten. Die Vakil Moschee besticht vor allem durch ihre vielen prächtigen Säulen im Inneren des Baus. Das Hafis Mausoleum zu Ehren des berühmten Dichters Hafis ist in einen schönen Park eingebettet. Da es aber in Shiraz sehr viele Parks gibt und die Eintrittspreise ganz schön teuer werden können empfehle ich auf jeden Fall den Eram Garden. Dieser ist der Schönste in Shiraz und wird vor allem Sonntags von den Einheimischen zum Picknicken überflutet. Hier findet sich eine Pflanzenvielfalt wie man sie im Iran nicht erwartet hätte. Verliebte Päärchen, Familien und Freunde treffen sich hier um die freie Zeit zu genießen. Der neue Teil von Shiraz, nordwestlich gelegen, besticht durch seine großen Neubauten. Viele moderne Malls reihen sich an große Wohnungssiedlungen. Hier ist das Leben moderner, westlicher und wohlhabender. Absolutes Highlight in Shiraz ist aber die Nasir-ol-Molk Moschee oder auch Pinke Moschee genannt. Weltberühmt ist sie durch die bunten Fenster geworden. Morgens zwischen 9 und 12 Uhr (im April/Mai) fällt das Sonnenlicht so auf die Fenster, dass die Moschee in ein buntes Meer an Farben getaucht wird. Eine einzigartige Szenerie die wie in Tausend und einer Nacht wirkt. Sobald man den Raum betritt taucht man in eine andere Welt ein, ist gefesselt von diesem Anblick und vergisst alles um sich herum. Leider vergessen auch viele andere Touristen alles um sich herum, insbesondere chinesische Reisegruppen. Dadurch wird es laut, voll und unmöglich ein schönes Foto zu schießen. Denn die einzelnen Personen werfen sich in ständig wechselnden Posen auf die Teppiche vor den Fenstern. Sie räkeln sich in alle Richtungen und kaum ist einer fertig mit seinen Bildern, kommt schon der nächste. Es zerstört den Glanz und die Einzigartigkeit dieses Ortes. Insofern muss man sehr sehr früh kommen um wenigstens für eine kurze Zeit diesen Ort auf sich wirken lassen zu können. Dennoch ist die Nasir-ol-Molk Moschee ein wahrhaftig einzigartiger Ort den man nicht mehr vergessen wird.

Zum Abschluss meiner Iran-Reise führte mich der Weg dann von Shiraz mit einem Direktbus über Nacht auf die Insel Qeshm. Dort wurde ich bei 40Grad von meinem Couchsurfing Host Mostafa empfangen. Die Hitze hat mir ganz schön zugesetzt aber ich wollte auch hier die Einzigartigkeit der Natur bewundern. Ein Großteil der Insel ist nämlich ein Geopark mit Schluchten, Felsformationen, Mangrovenwäldern und weiteren interessanten Orten. In einer Tagestour besichtigte ich gemeinsam mit Mostafa im Westen der Insel den Chahkooh Canyon. In 2 Stunden konnten wir durch die engen Schluchten und über die weißen, staubigen Felsen klettern. Geformt in vielen Tausend Jahren durch Wind und Wasser. Durch die Hitze kam man mächtig ins Schwitzen und saute sich mit dem Staub so richtig ein. Nach dieser Anstrengung freute ich mich auf ein Bad und eine Abkühlung im persischen Golf. Diese genehmigten wir uns bei alten, traditionellen Schiffen die vor einem riesigen Mangrovenwald ankerten. Das Wasser türkisblau, grüne Bäume und alte verrostete Schiffe. Eine tolle Szenerie. Mittags gab es dann hervorragendes Seafood wie Garnelen, Red Snapper, und Haifisch. Ein super leckeres Mittagessen. Zum Abschluss der Tagestour ging es zum Star Valley. Wiedermal eine Mondlandschaft die ihres gleichen sucht. Wunderbare Felsformationen wie von Steinmetzen geschlagen. Der Sonnenuntergang dort war einer der Einmaligsten, den ich je gesehen habe. Wem die Vielfalt der Insel noch nicht gereicht hat, der fährt in den Süden zu dem Dorf Shib Deraz und kann dort Schildkröten beim Brüten und Delphine in der See bewundern oder weiter auf die kleine Insel Hengam übersetzen.

Genächtigt habe ich in Dargahan, dem zweitgrößten Ort der Insel. Neben der Hauptstadt Qeshm im Osten ist es die Stadt der vielen Einkaufszentren. Qeshm ist eine Freihandelszone, es gibt keine Steuern und somit ein Paradies zum Shoppen. Viele moderne Malls und Baustellen reihen sich an der Küste in 2. und 3. Reihe aneinander. Von Kleidung über Schmuck bis hin zu Haushaltsartikeln gibt es alles zu kaufen. Dementsprechend viele Geschäftsmänner sind hier unterwegs, mit denen man schnell ins Gespräch kommt. Sie sind sehr freundlich, wollen ihr Englisch verbessern und laden einen gerne mal zu einem Essen ein. An einem Abend konnte ich durch Mostafa an einem Englischtreff teilnehmen. In großer, illustrer Runde tauschten wir uns über unsere Leben und gesellschaftliche Themen aus. Ein wirklich interessantes Abendessen.

Wer noch tiefer in die Mondlandschaften der iranischen Inseln eintauchen will, dem empfehle ich einen Abstecher auf die Insel Hormuz. Die Landschaft und das Leben dort übertrifft noch einmal alles bisher Gesehene. Es gibt nur einen Ort mit einem portugiesischem Fort an seiner Nordspitze. Ein paar kleine Supermärkte und Restaurants und wenige Fischer. Hier findet man auch wie in Südostasien TukTuks, die die Touristen um die Insel und dessen interessanten Hotspots bringen. Ich organisierte mir jedoch einen privaten Motorradfahrer, der sich bei seiner Ankunft als ein 12-jähriger Junge herausstellte. Da die Insel sehr klein ist und kaum Verkehr herrscht fangen Kinder sehr früh an Motorrad zu fahren. Innerhalb von 2-3 Stunden kann man die Insel mit all seinen interessanten Fels -und Sandformationen umrunden. Dazu gehören z.B. die Cristal Cove, die RainbowMountains, das Sunset Abyss und der Red Beach. Man läuft durch karge Felslandschaften in gelben, roten, schwarzen und weißen Farben und hat das Ganze fast für sich alleine. Es scheint wie ein unbekannter Fleck auf Erden, weit ab von Touristenmassen. Die Ruhe und Einsamkeit hier auf dieser kleinen Insel ist schon fast erschreckend. Strände mit rotem, gelben oder weißen Sand, manchmal sogar schwarz-glitzerndem Sand. Ich frage mich oft wie dieser Ort der Erde noch so unberührt sein kann. Es fühlt sich an wie ein Ende der Welt.

Ich blicke auf eine erlebnisreiche Zeit im Iran zurück. Entgegen aller Reaktionen von Familie und Freunden und entgegen aller Medienberichten durfte ich ein Iran kennenlernen, das sich von seiner gastfreundlichsten und vor allem sichersten Seite zeigte. Es kam zu keinem Zeitpunkt das Gefühl auf, dass ich mich in einer gefährlichen Situation befinde. Das Reisen ist extrem einfach und günstig. Die vielen anderen Reisenden sind interessante und offene Menschen. So stelle ich mir das Reisen vor 20 bis 30 Jahren vor. Wo viele Tipps in Hostels weitergegeben wurden und nicht das Internet als das dominierende Medium zur Reiseplanung eines Landes herangezogen wurde. Vor allem aber die Menschen und deren offene Art sowie Hilfsbereitschaft und Höflichkeit haben mich schon von Beginn an in ihren Bann gezogen. Ich habe noch nie ein Land erlebt in dem man so herzlich aufgenommen wurde wie hier. Ich kann jedem, der überlegt in den Iran zu reisen oder noch von der Idee entfernt ist empfehlen, dieses einmalige Land und dessen Menschen zu besuchen.

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